Luna Park
Rückblick

Dienstag, der 15.11.2005 - 13:00 Uhr

Es ist soweit, ich checke in der Klinik ein, in der ich mein Kind zur Welt bringen werde. Aus dem Warteraum werden wir zum Arzt reingerufen, der mich noch einmal an das Ultraschallger?t h?ngt um zu schauen ob sich an der Endlage noch irgenwas ver?ndert hat. Ein letztes mal sehen wir unsere kleine Bohne auf dem Bildschirm bevor wir sie keine 24 Std sp?ter im Arm halten d?rfen. Eine letzte Nacht sp?ren, wie sie sich in mir bewegt, die Kleine Bohne, die in mir gewachsen ist - Unglaublich, dieser Gedanke und schon jetzt schiessen tausend von Gedanken durch meinen Kopf.....

16:30 Uhr

Wir sind nochmal zum bummeln und ablenken in die Stadt gefahren - um 19:00 Uhr sp?testens muss ich in der Klinik sein- sitzen im "Subway", kauen unsere Sandwiches und schauen uns sprachlos an. Ich habe Angst und bin aufgeregt zugleich- Angst vor der Op, vor den Schmerzen und allem was damit zusammenh?ngt und ich bin aufgeregt vor dem Moment, an dem ich meine Tochter zum ersten mal schreien h?re, sie sehen, f?hlen und riechen kann....

19:00 Uhr

Ich sitze auf meinem Bett - Wechselbad der Gef?hle - w?rde mir so sehr w?nschen dass mein Mann die Nacht bei mir verbringt, will nicht alleine sein - habe eine Heidenangst und weiss nicht wie ich diese Nacht ohne Nervenzusammenbruch ?berstehen soll.....In siebeneinhalb Stunden geht es los, w?re es nur schon vorbei...drei Stunden sp?ter bekomme ich vor Aufregung meine Wehen , halte sie aber bis zur op aus...

16.11.2005, 06:30 Uhr

Ich bin um f?nf aufgestanden, habe geduscht, meine Haare gewaschen, gef?hnt und gegl?ttet, mich geschminkt (ich wollte wenigstens gutaussehend in den op geschoben werden :-) ) und warte wie ein Lamm auf die Schlachtbank. Zehn Minuten sp?ter kommen mein mann und meine Mutter zur T?re rein - Gott sei Dank - mir geht es augenblicklich besser aber genauso schnell fange ich zu weinen an - scheiss Anspannung ! Die Schwester kommt rein, ich muss dieses furchtbare Fl?gelhemd anziehen und werde im Bett in ein anderes Zimmer geschoben - zum Katheter und Zugang legen. Mein Mann stets an meiner Seite...

07:20 Uhr

Ich werde am Tropf h?ngend in einen kleinen Raum geschoben, in dem die An?stesistin schon auf mich wartet. Hier bekomme ich also die Spinal-An?stesie. Mein mann muss draussen warten, ich habe Angst ! Ich muss mich hinsetzen, die Beine gerade, der R?cken krumm, den Kopf auf die Brust und stillsitzen. Verkrampft warte ich auf den Mega-Schmerz, tut aber ?berhaupt nicht weh - ist lediglich etwas unangenehm. Viel schlimmer empfinde ich, mich ab dem Rippenbogen abw?rts nicht mehr sp?ren zu k?nnen. "so m?ssen sich also Querschnittsgel?hmte f?hlen", denke ich und mich schaudert es...Ich will meinen Mann sehen.

07:30 Uhr


Ich werde in den OP-Saal geschoben. Schrecklich, einfach nur schrecklich. ?berall nur gr?ne Kittel, es riecht steril, alles sieht so n?chtern aus, so kalt und unpers?nlich, dutzende piepsende Apparate, grelles Licht......so gar keine Atmosph?re zum Kinder auf die Welt zu bringen - keine warme, herzliche Hebamme, kein sch?nes Entbindungszimmer mit Duft?l-Kerze und eigener CD....daf?r klebt mir eine OP-Schwester Elektroden (?) auf die Brust, rasiert mein Schambein, setzt mir eine Haube auf den Kopf und schnallt beide Arme fest. Ich f?hle mich wie Jesus am Kreuz. Mein Mann wird endlich reingelassen, er sieht aus wie Dr. Brinkmann - gr?n ! Ich habe unvorstellbare Angst. M?chte in dieser Atmosph?re kein Kind geb?ren - bin starr vor Angst, kann nicht mal mehr weinen- geschweige denn meinem Liebsten zuh?ren, der immer wieder sagt dass alles gut wird und er ja bei mir ist - wir das hier souver?n ?bestehen werden.

Ein grosses, gr?ne Tuch wird vor mein Gesicht gespannt, es ist also gleich soweit. "Ich will gar nicht h?ren wann es anf?ngt, will nicht dass der Chirurg zu mir sagt, dass er jetzt den Schnitt setzt", sage ich zu meinem Mann. Der schaut mich nur komisch an und sagt: "das tut er nicht"
Pl?tzlich fange ich heftig an hin und her zu wackeln, frage ihn was die da machen, warum ich auf dem Tisch so sehr herumgeschleudert werde. Mein Bauch werde eingezeichnet, antwortet er nur und schaut wieder komisch. Auf einmal merke ich nur wie etwas unter meinen Rippen rausgezogen wird, ich h?re das Absaugr?hrchen, dann ein r?cheln, ein w?rgen und pl?tzlich h?re ich einen Schrei. Der erste Schrei meiner Tochter. Unmengen von Gef?hlen durchstr?men meinen K?rper, alle Gef?hle dieser Welt - alle auf einmal im Bruchteil einer Sekunde. Mein Kind. Meine Tochter - ich will sie sehen - SOFORT! Aber ich sehe nur eine Schwester, die ein kleines B?ndel an mir vorbeitr?gt, ein paar klitzeleine blutige F?sschen schauen raus. Ich schicke den frischgebackenen Papa mit ihr mit, wenigstens er soll die ersten Minuten unserer Tochter nicht verpassen. Ich liege nun alleine auf dem Tisch, noch immer angeschnallt, werde zugen?ht und finde f?r das was ich zu dem Zeitpunkt f?hlte - keine Worte um sie hier festzuhalten und auch nur ann?hernd zu beschreiben.

Anschliessend werde ich in den Aufwachraum geschoben, da liege ich eine f?r mich endlos lange Zeit, unertr?gliches warten. M?chte zu meinem Kind, zu meinem Mann - f?hle mich so als st?nde ich unter Schock. Mein K?rper noch immer taub und traumatisiert von dieser Op. Wie roh und brutal sie doch war, wie kalt und unpers?nlich....so hatte ich mir die Geburt nicht gew?nscht. Keine Gl?ckseligkeit, kein Kind auf den Bauch und Papa schneidet die Nabelschnur durch......

Aber daf?r Entsch?digung satt...... denn irgendwo da oben wartet meine kleine Familie auf mich und dann werde ich auch endlich in mein Zimmer geschoben - ganze zweieinhalb Stunden sp?ter. Zweieinhalb Stunden, in denen er ganz alleine mit ihr sein durfte - das hat ihn regelrecht umgehauen. So viel Liebe in seinen Augen als er sie mir endlich in den Arm legte..........

Ja und jetzt ist sie schon drei Wochen alt, wir sind eine richtig gl?ckliche Familie und ich kann es noch immer nicht richtig fassen dass wir ein Baby haben, muss sie dauernd anschauen und bin m?chtig, m?chtig stolz ! *strahl*

5.12.05 16:00
 


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bisher 11 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Friederike / Website (5.12.05 19:43)
Ach Sabrina, schade, dass die Geburt ansich nicht nach deinen Vorstellung verlaufen ist! Aber du scheinst dich ja trotzdem noch ganz gut von ihr erholt zu haben..und der Beziehung zwischen dir und deiner Tochter hat es bestimmt auch keinen großen Abbruch getan!

Aber...Wie groß und schwer war sie denn jetzt eingentlich?


killith / Website (5.12.05 23:56)
hey,
omg.. wie süss sie doch ist. und deine beschreibungen.. ich hatte richtige gänsehaut und kann mir ansatzweise vorstellen, in was für ein gefühlschaos du dich befindest. du scheinst kaum schmerzen gehabt zu haben?? mehr welche, die vom kopf ausgehen?!
btw. ich hab am wochenende endlich "die fabelhafte welt der amelie" gesehen.. wollt ich ja schon mind. seitdem ich dein design gesehen hab
liebe grüße und weiterhin viel kraft!


Nita / Website (6.12.05 05:59)
Liebe Sabrina

Du hasust mich um mit dieser, deiner BEschreibung, weisst du das???
Es ist jetzt bald 6 Uhr morgens und ich habe wirklich Tränen in den Augen und im Herzen in diesem Moment.
Ich wünschte ganz fest, dass du es anders versucht hättest. Und es zeigt mir ein weiteres Mal
, wie verkehrt unsere Welt ist.
Ich finde nicht die passenden Worte.
Absolut grässlich. Furchtbar und schrecklich.
Und doch hat es ebenso sein müssen.

Die Geburt meines Kindes war das krasse Gegenteil. Und sollte ich irgendwann noch einem zweiten Wunderwesen das Leben schenken, so will ich das in einer Gegend tun, in der es mir so wohl wie überhaupt möglich ist. Und mit allen Freunden mit dabei, die gerne mit dabei sein wollen.
Tönt seltsam.... und so gänzlich anders, als das was du erlebt hast.
Sabrina, ich glaube, du hast ncihts falsch gemacht. Aber ich glaube ebenso zu wissen, dass dies nicht der Weg ist, den wir - als Menschheit gesehen - einschlagen sollten.

ICh wünsche euch ganz viele friedvolle Momente des Geborgenseins.

Zutiefst bewegte Nita


Sabrina (6.12.05 11:41)
Hallo Nita, entschuldige falls ich dir mit meinem Bericht in irgendeiner Form ein schlechtes Gefühl bereitet habe, das wollte ich nicht....das einzige, was ich aus dieser Erfahrung gelernt habe ist, das nächste mal lasse ich auf jeden fall der Natur ihren freien Lauf und höre nicht mehr so sehr auf die Ärzte...denn von wegen, "Sie bekommen ein grosses Kind" Die Mini-Maus wog 3760 gr, war 53cm lang und hatte einen Kopfumpfang von 35cm, also alles in allem hätte ich diese geburt auch ganz sicher auf natürlichem Wege geschaukelt - was mich im nachinein ganz schön ärgert....und um auf die Frage von killith mit den Schmerzen eizugehen - ich hatte die Mörderschmerzen und mache noch jetzt mit einem saublöden Taubheitsgefühl auf der Bauchdecke rum. Von wegen mal kurz einen Kaiserschnitt- das war definitiv total unnötig aber ist nun eben so passiert und lässt sich nicht mehr rückgängig machen.

liebe Grüße


anke (6.12.05 13:45)
liebe sabrina,
erstmal alles gute zu eurer wundervollen tochter .

das mit der geburt liest sich sehr traurig und ist es sicher auch. im prinzip klingt es wie ein schwangerschaftsabbruch - nur mit anderem ausgang . und so gesehen ist es auch ein abbruch der schwangerschaft durch die mediziner. leider liegen fluch und segen der modernen technik sehr nah beieinander und die messergebnisse durch den us sind oft sehr ungenau.

aber: die ärzte und du haben den für euch beide lt. befund sicheren weg gewählt. auch wenn dieser nicht schön war und ihr es euch anders gewünscht habt.

ich wünsche euch eine tolle zeit und dass die seelischen und körperlichen verletzungen schnell heilen.

alles liebe, anke


martha (6.12.05 13:49)
Ich gratuliere ganz herzlich zur süssesten Tochter der Welt.

Und ich denke mir, der Kaiserschnitt, vielleicht hat er einfach so sein müssen. Das mag jetzt dumm tönen. Doch vielleicht musste es wirklich so sein. Und dass auch aus Kaiserschnittkindern ganz tolle Mädchen und Jungs heranwachsen, dafür ist mein Lieblingssohn ein Beispiel.

Ganz viele glückliche Momente mir deiner süssen Tochter wünscht dir von ganzem Herzen,

Martha


Eva / Website (7.12.05 09:58)
Wenn ich das so lese ..... ich möchte ein baby haben, später, wenn ich groß bin .... aber *angst* das hört sich alles so grausam an.
Es ist im Endeffekt aber schön zu hören/ sehen, dass ihr nun eine richtig kleine Familie seid.


birgit / Website (7.12.05 19:28)
WOW!
mir fehlen die worte...

ich gratuliere auch zu diesem wunder!


Nita / Website (9.12.05 19:45)
Liebe Sabrina
Nein, du hast mir nicht in dem Sinn ein schlechtes Gefühl vermittelt. Es hat mir nur wieder einmal gezeigt, dass die Natur sehr gering geschätzt wird von vielen Ärzten. Mir schien in deinem BEricht so vieles unnötig.
Schambein rasieren.... wahrscheinlich damit sich nicht fiese Schamhaarbazillen gierig auf dein Neugeborenes stürzen konnten. Sicher ist sicher.
Arme anbinden....... nicht dass du vor lauter Freude in dem entsprechenden Gejubel deiner Hände noch einen der raren Ärzte k.o. schlagen tätest.
Sichtabsperrung......Frau soll ja nicht geschockt werden von dem ekligen Ding, dass da aus ihrem Bauch rausgezogen wird.
2 Stunden ohne Tochter...... schliesslich muss ja der Mann zuerst mal Zeit haben, dem Familienzuwachs die Hausordnung vorzulesen. Und alle Masse und Zahlen sollten auch in die Kartei eingetragen werden, bevor Mami ihren Sonnenschein sehen darf.

Liebe Sabrina. Ich habe wirklich fest Freude für euch, dass es euch allen gut geht, das ist wunderbar. Und dass du es bei einem eventuellen nächsten Mal anders versuchen willst.... das finde ich klasse!

Lieber Gruss
Nita


Gise / Website (11.12.05 09:45)
Ob der Kaiserschnitt unnötig war oder doch nötig, kann man im Nachhinein nie sagen. Vielleicht wäre die Kleine auf natürlichem Geburtsweg doch stecken geblieben? Oder die nabelschnur hätte sich ihr um den Hals legen können. Oder... oder.. oder...
Die Geburt ist nun vorbei und Ihr habt das süßeste Mädchen der Welt! Und glaubt mir, die Zeit geht rasend schnell vorbei!

Sabrina, Du hattest Glück, dass Dein Mann bei der OP bei Dir sein durfte. Meiner musste draußen warten.
Aber dieses Strahlen, diese unendliche Liebe in seinen Augen, als er unser Mädchen in seinen Armen hatte, werde ich auch nicht mehr vergessen.

Und heute ist unsere "kleine Große" schon 18 Jahre alt. Und immer noch ein Prachtmädel! Und Euer Mädchen wird bestimmt auch eins!


tinuchen / Website (13.1.06 19:51)
oh ein Tolles Foto... ich liebe Vaterkindbilder ^^
und schade, dass du nicht natürlich entbinden konntest
ich hätte auch Angst vor ner OP gehabt, bin ja schon vor Angst ins Zittern gekommen, als dann doch PDA gelegt werden musste ^^

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